Der Beitrag von Heiko Fischer im Überblick

Eine neue Definition von Arbeit

I

Im Jahr 2019 befindet sich die Welt im Wandel. Digitalisierung. Künstliche Intelligenz. Klima und Umwelt. Vieles ist neu, vieles verändert sich. Aber nicht nur zum Guten. Es stellt sich die Frage, wie eine Gesellschaft diese Themen bewältigen kann. Wie kann Arbeit neu definiert werden, damit Digitalisierung und Fortschritt dem Individuum intrinsische Motivation bei gleichzeitigem gesundem Wirtschaften verleihen?

Um die aktuellen Herausforderungen zu stemmen, braucht es starke Leader.

Es bedarf einer neuen Zielsetzung für Unternehmen. Sie müssen mehr sein als nur profitorientierte Organisationen, die ihre Mitarbeiter auf austauschbare Ressourcen und reine Konsumenten reduziert. Sie müssen die Möglichkeit wahrnehmen, die Gesellschaft zu verbessern um so einen positiven Beitrag zu leisten. Die Antwort liegt in der Sinnfindung, sowohl für das Individuum als auch die Organisationen.

Für diese Sinnfindung gilt es, drei zentrale Herausforderungen zu bewältigen. Die erste Herausforderung liegt im Bereich der Umwelt. Wie kann eine postkapitalistische Gesellschaft in Harmonie mit dem Ökosystem unserer Erden leben, wie kann Wachstum und Lebensqualität aller Menschen in eine Balance gebracht werden? Die zweite Herausforderung ist die fortschreitende Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). Mit der Digitalisierung führt kein Weg an Künstlicher Intelligenz und Automatisierung vorbei. KI befindet sich in vielen Bereichen bereits im Einsatz, zum Beispiel an der Börse, wo Algorithmen schneller sind als Menschen und der Profit das oberste Ziel ist. Aber hier bestehen auch Gefahren, denn Künstliche Intelligenz muss und wird sich weiterentwickeln. Dabei werden Bewusstsein und Selbstbewusstsein zentrale Elemente sein. Aber noch weiß wohl kaum jemand, wie das umgesetzt wird. Eine positive KI sollte der Imperativ sein (eine KI, die von mehr als nur Wirtschaft und Unternehmertun geprägt ist), sonst sieht sie uns in der Zukunft vielleicht als Risiko und nicht als Chance. Die abschließende Herausforderung wird die Kolonisierung anderer Planeten – sprich dem Mars – sein. Auch hier ist die Frage nach dem Sinn berechtigt: Ist der Mars mehr als nur ein Back-Up für die Erde? Warum wollen wir dorthin?

Um diese Herausforderungen zu stemmen, braucht es starke Leader. Menschen, die uns inspirieren und mitreißen können. Die uns durch die Phase der Vergnügungsgesellschaft führen und Demokratie als das wichtigste Betriebssystem für diese Transformierung verstehen und weiterdenken. Vor allem braucht es Menschen, die uns weg von der Abstraktionsebene hin zur Handlungsebene bringen, also Menschen, die anfangen!

Als neu gedachte Organisationsform für diese Leader bietet sich die Netzwerkorganisation an. Die Mitarbeiter sind hier Mitunternehmer und Mitgestalter. So findet der Einzelne innerhalb der Unternehmensstruktur seine Aufgabe und eine inne liegende Motivation, die ihn bestärkt und Potentiale hinsichtlich eines Wertbeitrags entfalten kann. Hinsichtlich dieser Art von Unternehmensstruktur ist die Einbindung der First Principles erforderlich, sie gelten als Naturgesetz für diese Form der Organisation.

Für Visionen bedarf es Spielraum im eigenen Handeln, erst dann entwickelt sich daraus auch Verantwortung. Daher ist das erste Prinzip Handlungsfreiheit, eng verbunden mit Verantwortungsbewusstsein und Transparenz (welche gleichzeitig auch Rechenschaft einfordert). Wissen, das zweite Prinzip besagt, dass alle Mitarbeiter die bestmöglichen Informationen haben sollten bzw. mit dem gleichen Wissensstand arbeiten. Nur dann können vernünftige Entscheidungen getroffen und angepasst werden. Das dritte und letzte Prinzip ist die Größe. Überschaubare Strukturen schaffen ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und ein Ursache-Wirkungsgefühl. Mit der Realisierung dieser Prinzipien können die o.g. Quantensprünge im Arbeitssektor erreicht werden.

Veränderungen sind aber wie bereits angesprochen nicht nur im Unternehmertun notwendig, sondern auch bei den Menschen selbst. Vom wirtschaftlichen Faktor abgesehen, ist es entscheidend, einen Antrieb für die Gestaltung einer positiven Gesellschaft auszubilden. Dafür braucht es wieder mehr Wertschätzung der Demokratie und eine Modernisierung dieser Demokratie. Es braucht ein gesellschaftliches Ziel, dass klar genug ist ohne zu spalten und ambitioniert genug ist um mitzureißen. Dabei ist Ehrlichkeit unverzichtbar.

Sowohl das Individuum als auch alle Formen der Zusammenschlüsse benötigen einen Leader und eine große und klare Vision, an denen sich jeder beweisen und immer wieder neu erfinden kann, aber auch einen gesetzten Rahmen. Dieser Rahmen sollte so gestaltet sein, dass die Umsetzung dieser Transformierung sozial ist, aber ohne Rücksicht auf Altlasten und Lobbys. Politiker müssen wieder Teil der Bevölkerung sein. Technologie und Unternehmertum muss von der Politik verstanden und für das Streben nach bedeutsamen Zielen eingesetzt werden. Die Legislative muss mit den technologischen Entwicklungen schritt halten. Regionaler Einfluss und unmittelbare Marktwirtschaft sollten mehr Gewicht bekommen.

Im Grundsatz heißt dies, der Kern der Solidargemeinschaft muss in das digitale Zeitalter übersetzt werden, er muss gewahrt und verteidigt werden. Einen positiven Beitrag für unsere Gesellschaft zu leisten, das ist das Erbe an unsere Kinder.

Diesen Beitrag lesen Sie in voller Länge im Buch Weiter. Denken. Ordnen. Gestalten, das am 23. September 2019 beim Siedler Verlag erscheint.

Sehen Sie zu diesem Thema auch das Video mit Heiko Fischer!

Heiko Fischer ist Co-Gründer des Management-Technologie-Unternehmens Resourceful Humans. Er gilt als Pionier der Netzwerk-Organisationsform und als Verfechter von mehr gesellschaftlicher Verantwortung von Firmen.