Das Kapitel im Überblick

Eine Frage der Kultur

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Im Kapitel „Eine Frage der Kultur“, Teil des im Herbst 2019 erscheinenden Buches „Weiter. Denken. Ordnen. Gestalten“, kommen zwei Kulturschaffende zu Wort: Zum einen der Künstler Roman Lipski; er beschäftigt sich mit dem Thema künstliche Intelligenz in der Kunst. Zum anderen: der Kurator Bonaventure Ndikung; Er möchte der europäischen Kunstwelt eine afrikanische Perspektive näherbringen.

Inwiefern prägen Kunst und Kultur eine heutige Gesellschaft?

Grundsätzlich behandelt das Kapitel die Frage, inwiefern Kunst eine Gesellschaft prägt, wie sie Einfluss nimmt, wie sie aber auch fordert und provoziert. Die Beschäftigung mit Kunst verursacht immer Reibung, verlangt Offenheit, Unvoreingenommenheit, Toleranz, das Überdenken des eigenen Weltbildes und lädt zum Verlassen vertrauter Gedankenpfade ein. Insofern kann sie als Spiegel des freiheitlichen Geistes einer Gesellschaft gelten. Kunst wird sich immer ihren Weg suchen, und gerade anhand des Kulturschaffens von Regimegegnern in restriktiven, autoritären Staaten wird ihre politische Dimension überdeutlich.

Kunst überschreitet Grenzen, das ist ihr grundlegendes Prinzip. Auch in der Wahl ihrer Mittel. Das beweist aktuell der in Polen geborene und in Berlin tätige Künstler Roman Lipski. Er nutzt die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz, um Kunstwerke zu erschaffen. Wichtig ist ihm dabei der Dialog zwischen Mensch und Maschine. Auf diese Weise wird etwas vollkommen Neues geschaffen; künstliche Intelligenz fungiert als eine Art Muse für seine Werke. In seinem Beitrag zu diesem Kapitel geht Lipski auf die Frage ein, welche Bedeutung die Kunst noch für eine Gesellschaft hat, wenn sie von einer Maschine erschaffen wurde. Damit schlägt er ein neues Kapitel in der immerwährenden Frage nach der Definition des Kunstbegriffs auf. Mehr zu Roman Lipskis Beitrag erfahren Sie hier. Zudem haben wir Roman Lipski in seinem Berliner Atelier besucht; hier sehen Sie das Video.

Mit der Definition des Kunstbegriffs setzt sich auch Bonaventure Ndikung seit Jahren intensiv auseinander. Der gebürtige Kameruner ist Kunst-Experte, Kurator und studierter Biotechnologe und lebt seit 1997 in Berlin. Die Auswirkungen des Kolonialismus sieht der 41-Jährige bis heute in unseren Gesellschaftsstrukturen als gewaltig an. Frauen, Migranten und zahlreiche Minderheiten werden auch heute noch in der Gesellschaft diskriminiert – für Ndikung eine direkte Folge des Kolonialismus.

Als aktuelle Beispiele hierfür nennt er den oft verwendeten Begriff „Flüchtlingswelle“, der abfällig benennt, dass Flüchtlinge das Land wie ein „Tsunami“ überschwemmen würden. Die Flüchtlingswelle ist aber direktes Resultat einer Welt, in der einige sehr viel haben und andere sehr wenig, was maßgeblich durch jahrhundertelange Kolonisierung bedingt wurde, entgegnet Ndikung. Um dem entgegenzuwirken, interessiert sich der Kurator vor allem für Kunst, die das Potenzial hat, etwas zu bewegen und zu verändern. Eine Ausstellung, in der alle Besucher herumstehen, am Glas nippen und ein paar Bilder ansehen, reicht ihm nicht aus. Mehr zum Beitrag von Bonaventure Ndikung lesen Sie hier in der ausführlichen Zusammenfassung. Und in diesem Thesenvideo erläutert Bonaventure Ndikung, wie koloniale Machtstrukturen bis heute wirken.

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